Der Herdenschutzhund

Herdenschutzhunde- und Mixe wirken oft ruhig, verschlafen und gemütlich aber die Fassade kann trügen, denn diese Hunde verfügen über ein extrem ausgeprägtes Territorial- und Schutzverhalten. Bei den Herdenschutzhunden (HSH) handelt es sich um große und kräftige Hunderassen, die zum Schutz von Tier und Mensch gezüchtet wurden.
Vor allem in osteuropäischen Ländern wie Rumänien werden Herdenschutzhunde von Schäfern eingesetzt um die Herden zu beschützen. Hier werden sie nicht wie Hütehunde dazu eingesetzt die Herde „im Zaun“ zu halten, sondern viel mehr um die Herden vor Eindringlingen zu beschützen.

Herdenschutzhunde sind als sehr umsichtige Wächter ihrer Ressourcen gezüchtet worden. Zu diesen Ressourcen gehören für diese Hunde, das gesamte Umfeld in dem sie sich aufhalten. Dazu zählen vor allem das Grundstück, die Familie, andere Tiere und oftmals auch häufig besuchte Plätze z.B. auf Spaziergängen. 

Von ihrem Beobachtungsplatz haben diese Hunde alles im Blick und im Falle einer für sie als Bedrohung wahrgenommene Situation ist dieser meist kuschelige Teddybär plötzlich nicht mehr ganz so kuschelig und blitzschnell zur Stelle, um alles zu verbellen, was seinem „Aufsichtsbereich“ zu nahekommt

Die oft unterschätzten Kuschelbären gehören nur in erfahrende Hände, nämlich zu Haltern die aus diesen Hunden einen souveränen Begleiter machen.

Merkmale des Herdenschutzhund:

Es gibt mehrere Rassen von Herdenschutzhunden. Die bekanntesten sind der Maremmano, der Pyrenäen-Berghund, der Kaukasischer Owtscharka, der Kuvasz und der Kangal. In Rumänien sind vor allem der Ciobanesc Românesc Carpatin oder der Mioritic verbreitet.
Es sind große und schwere Hunde. Sie können bis zu 60kg schwer und an die 80cm groß werden. 

HSH-Mixe sind häufig auch kleiner und leichtere Vertreter dieser Rasse. Meist kennzeichnet sie dichtes und langes Fell, das sie vor Kälte und auch Hitze schützt, da sie gewöhnlich Tag und Nacht bei ihrer Herde wachen.
Kurzes Fell findet sich eher bei HSH die in wärmeren Ländern eingesetzt werden z.B. der Kangal in der Türkei.

Kann ich einen Herdenschutzhund in der Wohnung halten?

Es kommt ganz drauf an wie viel Auslauf dem Hund geboten wird. Aufgrund des ausgeprägten Territorial- und Schutzverhaltens sind diese Hunde oft sehr wachsam um ihr Revier zu verteidigen. In dicht besiedelten Gegenden wo immer wieder neue und fremde Menschen gesichtet werden, würden diese Hunde kaum zur Ruhe kommen. Neben den eignen vier Wänden kommt es bei diesen Hunden auch vor, dass Orte die sich im nahen Umfeld befinden z.B. Wanderwege, Parkplätze oder Spielplätze als eigenes Territorial eingestuft werden.
Aufgrund dieser Charaktereigenschaften vermitteln wir unsere HSH nur in eine ländliche Gegend und in ein Zuhause mit Hof und/oder eingezäuntem Garten.

Sind Herdenschutzhunde für Familien mit Kindern geeignet?

Immer wieder werden verschiedene Vertreter der HSH als ideale Familienhunde und Spielgefährten für Kinder beschrieben. Kinderlieb, tolerant, belastbar – doch das sind sie pauschal gesehen sicher nicht! Man sollte sich bei einem HSH immer bewusst sein, dass er kein Familienhund im klassischen Sinne ist. Er ist nicht in jeder Situation leicht zu führen, kann nicht mit den Kindern unbefangen und sorglos „Gassi“ geschickt  werden und kann auch nicht jederzeit und überall bedenkenlos abgeleint werden, denn er legt sein Misstrauen gegenüber Fremden nicht auf Knopfdruck ab.

Wenn jedoch die Sozialisation des Hundes mit den unterschiedlichsten Menschen, die
Haltungsbedingungen, der Sachverstand und das Verständnis für seine Bedürfnisse und Besonderheiten gegeben ist und der Halter verantwortungsbewusst ist, dann kann auch ein HSH durchaus eine Familie mit Kindern bereichern. 

Wie bei allen anderen Hunden auch, sollten Kinder dennoch nicht mit Hunden alleine bleiben.

Wie erzieht man einen Herdenschutzhund?

All die Dinge, die bei der Erziehung von HSH wichtig sind, sollten es auch bei Nicht-HSH sein: Konsequenz, Respekt, Bindungsaufbau, abwechslungsreiches Training, Fairness und Motivation tun jedem Hund gleich welcher Rasse gut. 

Herdenschutzhunde sind keine einfachen Hunde und gehören auf jeden Fall nur in erfahrene Hände. Es gibt aber auch durchaus kleine Hunderassen, die nicht einfach sind und ähnliche Charaktere durch ihren eignen Kopf mitbringen.

Werden von Anfang an z.B. Besuch und belebte Nachbargärten mit Zwei-und Vierbeinern als zum Alltag gehörig angesehen, so hat der Hund später weniger Grund, in entsprechenden Situationen misstrauisch zu werden. Hilfreich sind Rituale und ausschließlich positive Verknüpfungen mit den angeblichen „Eindringlingen“, so dass es für den Hund völlig normal ist, wenn fremde Menschen in Anwesenheit seines Halters das Haus und das Grundstück betreten.
Wichtig ist, diese Hunde nicht chronisch zu überfordern, aufkommendes Misstrauen darf nicht bestätigt werden. Der Halter eines HSH muss sich souverän verhalten und für den Hund offensichtlich die Verantwortung übernehmen. Werden diese Aspekte beachtet, kann ein HSH ein wunderbarer Wegbegleiter werden.

Film über Herdenschutzhunde im Einsatz

Wenn ihr erfahren wollt, wofür Herdenschutzhunde eigentlich gezüchtet und eingesetzt werden, empfehlen wir euch dieses Video zu schauen: