Die Herdenschutzhunde

Herdenschutzhunde- und Mixe wirken oft ruhig, verschlafen und gemütlich aber die Fassade kann trügen, denn diese Hunde verfügen über ein extrem ausgeprägtes Territorial- und Schutzverhalten. Bei den Herdenschutzhunden (HSH) handelt es sich um große und kräftige Hunderassen, die ursprünglich zum Schutz von Tier und Mensch gezüchtet wurden.

Vor allem in osteuropäischen Ländern – wie Rumänien – setzen Schäfer Herdenschutzhunde ein, um die Herden zu beschützen. Hier dienen sie nicht wie Hütehunde dazu die Herde „im Zaun“ zu halten, sondern viel mehr um die Herden vor Eindringlingen zu beschützen.

Herdenschutzhunde sind als sehr umsichtige Wächter ihrer Ressourcen gezüchtet worden. Zu diesen Ressourcen gehören für diese Hunde daher das gesamte Umfeld in dem sie sich aufhalten. Dazu zählen vor allem das Grundstück, die Familie, andere Tiere und oftmals auch häufig besuchte Plätze z. B. die auf Spaziergängen. 

Die Hunde haben von ihrem Beobachtungsplatz aus meist alles im Blick. Im Falle einer für sie als Bedrohung wahrgenommene Situation sind sie blitzschnell zur Stelle, um alles zu verbellen was seinem „Aufsichtsbereich“ zu nahekommt. Dann ist der  meist kuschelige Teddybär plötzlich nicht mehr kuschelig, sondern eher bedrohlich. 

Die oft unterschätzten Kuschelbären gehören nur in erfahrende Hände! Nämlich zu Haltern die aus diesen Hunden einen souveränen Begleiter machen.

Kann ich einen Herdenschutzhund in der Wohnung halten?

Es kommt ganz drauf an wie viel Auslauf dem Hund geboten wird. Aufgrund des ausgeprägten Territorial- und Schutzverhaltens sind diese Hunde oft sehr wachsam um ihr Revier zu verteidigen. In dicht besiedelten Gegenden wo immer wieder neue und fremde Menschen gesichtet werden, würden diese Hunde kaum zur Ruhe kommen. 

Neben den eignen vier Wänden kommt es bei diesen Hunden auch vor, dass Orte die sich im nahen Umfeld befinden z. B. Wanderwege, Parkplätze oder Spielplätze als eigenes Territorial eingestuft werden. Aufgrund dieser Charaktereigenschaften vermitteln wir unsere HSH nur in eine ländliche Gegend und in ein Zuhause mit Hof und/oder eingezäuntem Garten.

Sind Herdenschutzhunde für Familien mit Kindern geeignet?

Immer wieder beschreiben Organisationen die verschiedene Vertreter der HSH als ideale Familienhunden und Spielgefährten für Kinder. Kinderlieb, tolerant, belastbar – doch das sind sie pauschal gesehen sicher nicht! Schließlich sollte man sich bei einem HSH immer bewusst sein, dass er kein Familienhund im klassischen Sinne ist.

Er ist nicht in jeder Situation leicht zu führen. Besitzer sollten ihn nicht  mit den Kindern unbefangen und sorglos „Gassi“ schicken. Weiterhin sollten die Herdenschutzhunde auch eher nicht  jederzeit und überall bedenkenlos abgeleint werden, denn sie legen ihr Misstrauen gegenüber Fremden nicht auf Knopfdruck ab.

Wenn jedoch die Sozialisation des Hundes mit den unterschiedlichsten Menschen und Situationen gegeben ist; wenn die Haltungsbedingungen, der Sachverstand und das Verständnis für seine Bedürfnisse und Besonderheiten gegeben ist; und der Halter verantwortungsbewusst ist, dann kann auch ein HSH durchaus eine Familie mit Kindern bereichern. 

Wie auch bei allen anderen Hunden , sollten Kinder dennoch nicht mit Hunden alleine bleiben.

Merkmale des Herdenschutzhund:

Es gibt mehrere Rassen von Herdenschutzhunden. Die bekanntesten sind der Maremmano, der Pyrenäen-Berghund, der Kaukasischer Owtscharka, der Kuvasz und abschließend der Kangal. In Rumänien sind vor allem der Ciobanesc Românesc Carpatin oder der Mioritic verbreitet.
Es sind große und schwere Hunde. Sie sind bis zu 60 kg schwer und an die 80 cm groß. 

HSH-Mixe sind häufig auch kleiner und leichtere Vertreter dieser Rasse. Meist kennzeichnet sie dichtes und langes Fell, das sie vor Kälte und auch Hitze schützt. Dies benötigen sie, da sie gewöhnlich Tag und Nacht bei ihrer Herde wachen.
Kurzes Fell findet sich eher bei HSH die aus wärmeren Ländern stammen, z.B. der Kangal in der Türkei.

Wie erzieht man einen Herdenschutzhund?

All die Dinge, die bei der Erziehung von HSH wichtig sind, sollten es auch bei Nicht-HSH sein: Konsequenz, Respekt, Bindungsaufbau, abwechslungsreiches Training, Fairness und Motivation tun jedem Hund – gleich welcher Rasse – gut. 

Herdenschutzhunde sind keine einfachen Hunde und gehören auf jeden Fall nur in erfahrene Hände. Es gibt aber auch durchaus kleine Hunderassen, die nicht einfach sind und ähnliche Charaktere durch ihren eignen Kopf mitbringen.

Werden von Anfang an z. B. Besuch und belebte Nachbargärten mit Zwei-und Vierbeinern als zum Alltag gehörig angesehen, so hat der Hund später weniger Grund, in entsprechenden Situationen misstrauisch zu werden. Hilfreich sind Rituale und ausschließlich positive Verknüpfungen mit den angeblichen „Eindringlingen“.  Langfristig ist es dann für den Hund normal, wenn fremde Menschen in Anwesenheit seines Halters das Haus und das Grundstück betreten.

Wichtig ist, diese Hunde nicht chronisch zu überfordern. Besitzer dürfen aufkommendes Misstrauen nicht bestätigen. Der Halter eines HSH muss sich souverän verhalten und für den Hund offensichtlich die Verantwortung übernehmen. Beachten Adoptanten diese Aspekte in der Erziehung, kann aus einem HSH(-Mix) ein wunderbarer Wegbegleiter werden.

 

Film über Herdenschutzhunde im Einsatz

Abschließend seht ihr in diesem Video den klassischen Einsatz von Herdenschutzhunden, nämlich bei der Aufgabe für die sie ursprünglich gezüchtet wurden: